Quelle: Hinterländer Anzeiger 28.7.2014

Gladenbach – Rachelshausen.
Nach drei Jahren des Planens ist sie endlich Realität: In Rachelshausen haben 37 Gründungsmitglieder die Genossenschaft „BürgerEnergie Salzbödetal“ aus der Taufe gehoben. Die will im Anschluss an den Hilsberg drei eigene Windräder errichten lassen.

Deren Ziel ist es, den Ausbau erneuerbarer Energien voranzutreiben und dabei die Menschen in der Region an diesem Entwicklungsprozess zu beteiligen. Auf dieser Weise soll dann auch der Gewinn in der Region bleiben. Eines der großen Projekte, die in den kommenden Jahren umgesetzt werden sollen, ist der Bau dreier Windkraftanlagen in Rachelshausen – direkt anschließend an die fünf Bad Endbacher Anlagen auf dem Hilsberg.

Der Standort sei für Hinterländer Verhältnisse sehr gut, betonte Ulf Schmidl. Langfristige Messungen hätten Windgeschwindigkeiten von durchschnittlich 6,3 Meter pro Sekunde ergeben. Endgültig sollen die Messungen Mitte August abgeschlossen werden, sagte er, und es deute sich an, dass die Werte sogar noch ein wenig nach oben korrigiert werden können.

Verfahren zur Genehmigung der neuen Anlagen ist bereits eingeleitet

Aber auch bei den sonstigen Untersuchungen gebe es keine Bedenken gegen den Standort, führte Schmidl weiter aus: Es gebe keine Tiere, die sich in dem Bereich aufhielten, und es müssten kaum Bäume gefällt werden, um den Platz nutzen zu können. Das Genehmigungsverfahren im Sinne des Bundes-Immissionsschutzgesetzes sei bereist eingeleitet worden, betonte er weiter. Mit einer Genehmigung rechnet er innerhalb des nächsten Vierteljahres.

Die neu gegründete Genossenschaft soll den Bau der Windräder mit finanzieren. „Wir streben eine Beteiligung von etwa einem Viertel der Kosten an“, erklärte Hermann Schorge, wie Schmidl ebenfalls Mitglied des Zukunftsforums und des Vereins Bürgerwind Gladenbach.

Bei Gesamtkosten von rund 16 Millionen Euro entspräche dies einem Anteil von vier Millionen Euro, die die Genossenschaft aufbringen müsste. Ein Anteil soll bereits ab 100 Euro gezeichnet werden könne, sagte Schorge. Pro Person sollen aber nur 20 Anteile möglich sein. Damit die Finanzierung auf den Weg gebracht werden kann, muss die Genossenschaft aber vorab mindestens 1,2 Millionen Euro an Eigenkapital bereitstellen.
Neben der Zeichnung von Anteilen sei das auch über so genannte Nachrangdarlehen in Höhe von jeweils 900 Euro möglich. Schorge betonte weiter, dass keineswegs nur Bürger aus Gladenbach Mitglied in der Energiegenossenschaft werden können. Sie stehe vielmehr allen Menschen in der Umgebung offen – egal ob sie nun aus Bad Endbach, Gladenbach und Lohra oder Steffenberg und Dautphetal kommen. Eines ihrer Ziele sei nämlich auch, die Akzeptanz für alternative Energien in der Bevölkerung zu steigern.

Natürlich sei eine Mitgliedschaft auch mit einem gewissen wirtschaftlichen Risiko verbunden. Auf der einen Seite könnte der Ertrag aus dem Stromverkauf geringer ausfallen, als veranschlagt, erklärte Schorge. In diesem Falle würde auch die Dividende geringen ausfallen, die die Anteilseigner ausgezahlt bekommen. Konkrete Zahlen nannte Schorge dabei noch nicht. Die könnten erst ermittelt werden, wenn die Baugenehmigung und mögliche damit verbundene Auflagen vorlägen.

Wirtschaftsplan wird erst erstellt, wenn auch die Auflagen bekannt sind.

Erst dann kann nämlich ein Wirtschaftsplan erstellt werden. Das Schlimmste, was den Mitgliedern passieren könnte, wäre die Insolvenz der Genossenschaft. Für diesen Fall hafte aber jeder nur mit seiner eigenen Einlage, sagte Schorge. Darüber hinaus kämen keine Belastungen auf die Genossenschaftsmitglieder zu. Neben den 25 Prozent der Energiegenossenschaft gehen die Planer davon aus, dass sich die Stadt Gladenbach mit 50 Prozent an den Kosten beteiligt. Diese Zahl sei jedoch noch nie offiziell gesagt worden, stellte Parlamentsmitglied Roland Petri (SPD) fest. Sie müsse erst durch die Stadtverordnetenversammlung beschlossen werden.

Die restlichen 25 Prozent sollen durch mehrere Einzelpersonen gehalten werden, die auch größere Beträge über 10 000 oder 20 000 Euro zur Verfügung stellen wollen, erklärte Ulf Schmidl die Finanzierung. Die Windräder bei Rachelshausen sind jedoch nicht das einzige Projekt, das die neue Genossenschaft vom Start weg verfolgt. Ein weiteres sei der Bau einer Photovoltaik-Anlage auf dem Dach der Europaschule, sagte Edith
Müller-Zimmermann. Das sei vom Zukunftsforum schon seit langem geplant gewesen. Jedoch kam diesem Plan die Sanierung der Schule in die Quere. Da diese nun abgeschlossen ist, prüft der Kreis bereits eine Genehmigung für die Anlage. Dieses Engagement zeige, dass es der Energiegenossenschaft keineswegs nur um Windkraft gehe, stellte Müller-Zimmermann fest. Wichtig sei ein ausgewogener Mix aus verschiedenen regenerativen Energien.

Vorstand und Aufsichtsrat

Nach der Vorstellung der Satzung und deren Annahme durch die 37 Gründungsmitglieder wurde ein Vorstand für die neue Genossenschaft gewählt.Diesem gehören Hermann Schorge, Ulf Schmidl, Ernst Konrad Schneider (alle Lohra) sowie Siegfried Klein und Holger Karches (Gladenbach) an.

Darüber hinaus wurde auch ein neunköpfiger Aufsichtsrat gewählt, der die Geschäfte des Vorstandes überwachen soll. Dieser besteht aus Antje Klein, Torsten Hartmann, Gerhard Beber, Karl Reinhard Runzheimer, Werner Rotter, Edith Eckert, Volker Hamel, Peter Kremer und Edith Müller-Zimmermann.